• Steven

Tasting Notes Stauning Bastard 46,3%

Sicherlich hält diese Review den ein oder anderen eingefahrenen Single Malt Scotch Whisky Trinker vom genaueren Lesen ab. Doch interessanterweise hat dieser Däne den frechen Beinamen „Bastard“ bekommen, was wiederum Neugier erwecken soll. Aber damit nicht genug. Es handelt sich hierbei um einen Rye Whisky, der obendrauf auch noch ein unglaublich ausgefallenes Finish im Mezcal-Fass (mexikanischer Agavenbrand) erhalten hat.

Aus eigenen Erfahrungen der letzten Jahre kann ich glücklicherweise behaupten, dass gefühlt bei mehr als 80% der Whiskyfreunde die Neugier über das Vorurteil siegt.


Bevor ich den nordischen Exoten analysiere, noch ein kleiner Rückblick: Ich selbst war vor fünf Jahren zu meinem Geburtstag mit mehreren sehr guten Freunden und meiner Frau in Dänemark. Eher durch Zufall hab ich in einem Flyer erfahren, dass das Örtchen Hvide Sande und die (damals noch kleine) Brennerei Stauning nicht weit entfernt lag. Unser deutscher Whiskyguide der Destillerie war der unglaublich authentische Stefan, der für mich die Personifikation von Stauning ist.

Als wir ihn im Februar diesen Jahres dann auf der Nürnberger Whiskymesse am Stauning Stand wieder trafen, sahen wir die neuen Tattoos, die seine Arme zieren. Und das sind nicht irgendwelche. Es sind die Designs der neuen Bastard Abfüllung. Darüber kamen wir ins Gespräch, tranken ein paar dänische Whiskys, bis er uns plötzlich neben dem Rye zur Querverkostung etwas ganz neues hinstellte. Natürlich zu dem Zeitpunkt noch so exklusiv, weil der Tropfen noch gar nicht auf dem Markt war!


Die Eindrücke, die ich an diesem Tag hatte, wollte ich mir später noch einmal bestätigen und nahm mir deshalb eine selbst abgefüllte Miniatur mit. Heute hat sie es nun ins Glas geschafft.



Für einen dreijährigen Whisky eine wundervolle Bernsteinfarbe, die dem Rye geschuldet ist.

Die 46,3% kribbeln zu Beginn leicht in der Nase, entspannen sich aber nach kurzer Zeit. Ich kann nicht genau sagen warum, aber für mich hat er einen maskulinen Antritt. Er wirkt rassig, riecht irgendwie feucht und muffig, aber das alles in einer sympathischen Version. Eine leichte Säuerlichkeit folgt auf die dunklen Roggennoten und gegerbtes Leder.

Wenn er sich nach einer Weile gesetzt hat, schwenkt er in die nussige Schiene ab. Ich habe Assoziationen von Macadamia-Nüssen und Sheabutter. Generell wirkt er jetzt recht schwer und buttrig. Bevor ich endlich meine Lippen mit ihm benetzen darf, kommen noch Gerüche von karamellisierter Ananas und Muskatnuss auf.

Die Gefälligkeit setzt sich auch hier fort! Erst leicht kräutrig, kommen auch wieder die dunklen Roggenaromen zum Vorschein und der gesamte Mundraum ist wie eingeölt. Ohne an irgendeiner Stelle bitter zu sein, driftet er zum Ende hin in eine trockene Süße ab. Da zu den ungeschriebenen männlichen Nuancen neben Leder und Rauch auch Tabak gehört, darf dieser in der Performance natürlich nicht fehlen.

Beim erneuten Riechen kommt eher die Süße durch. Dunkle Früchte wie Amarenakirschen und Brombeeren gesellen sich zum Dessertgedanken aus Kakaopralinen und Zimtschnecken. Ganz in der Ferne lässt sich auch eine Lakritznote erahnen.

Er bleibt auch beim zweiten Trinken auf der süßen und kräutrigen Linie und hinterlässt einen wärmenden Schatten.


Dieser Stauning benötigt Zeit im Glas, dankt es einem aber mit sehr vielschichtigen Facetten. Ein Whisky mit einem schier endlosen Nachklang, den ich so unglaublich langlebig bisher nur vom Laphroaig An Cuan Mòr kannte. Irre!

Um abschließend noch mal die Anti-Vorurteilskeule zu schwingen, muss ich sagen, dass es für mich ein unglaublich guter Whisky mit einem grandiosen PLV ist! Mein Rye Whisky-Horizont ist wieder um einen Längengrad gewachsen, ich habe erstmals ein Mezcal Finish erlebt und finde, dass dem Agavenbrand deutlich mehr Aufmerksamkeit zu teil werden darf. Blind hätte ich diese Performance niemals „nur“ auf einen dreijährigen Whisky geschätzt! Für mich persönlich eines meiner Highlights in 2020!

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