• Steven

The Ambassador´s Cask Selection (44,7 %), Lowland Orchard (60,3 %) und The Panaceum (62,2 %)


Neues Jahr. Neues Glück. Neue Abfüllungen.

Ja, ihr lest richtig! Der Alchemist hat es wieder getan. Ab dem 15. März verzaubert er uns mit drei neuen Abfüllungen.

Wieder einmal lässt es sich Sebastian Büssing nicht nehmen, sein Spektrum an innovativen Finishes zu erweitern und die neugierigen Gaumen mit weiteren Weltpremieren zu begeistern.

Sprich, diesmal hat er nichts geringeres erschaffen, als einen Blend mit Finish in einem zuvor mit Negroni belegtem Fass, einen Lowland Single Malt mit einer Nachreifung in Fässern, in denen zuvor Brandy und, ganz spannend, Grappa reifte und zu guter Letzt einen Single Rye Whisky aus Deutschland mit einem 10 monatigen Finish im Cognac-Fass.

Gerne erwähne ich, dass Sebastian in der Whisky-Szene kein unbeschriebenes Blatt ist und aktuell als Markenbotschafter international präsent ist (als Vertreter der Marken Loch Lomond (Schottland), der Sauerländer Edelbrennerei (Deutschland) und bis vor kurzem auch Mackmyra (Schweden).


Somit habe ich auch die perfekte Überleitung zu seinem Blended Malt Whisky. „The Ambassador´s Cask Selection“, übersetzt „Die Fassauswahl des Botschafters“, vereint auserwählte Malts von drei Brennereien. Welche diese drei Brennereien sind, dazu können auch wir leider nur mutmaßen. Die eben genannte Vermählung reifte dann noch in einem Fass nach, welches zeitweilig mit Negroni gesättigt wurde. Nun werden sich einige Whiskyfreunde sicher fragen... Wer oder was ist Negroni? Auch ich gehörte bis vor dieser Abfüllung zu den „Unwissenden“, ist es einem doch nicht so geläufig wie Sherry, Port, Madeira oder Sauternes. Negroni ist ein Cocktail, der zu gleichen Teilen aus Gin, rotem Wermut und dem Bitter-Aperitif Campari besteht.

Tja, der Spirits Alchemist fordert nicht nur unsere Geschmacksknospen, sondern fördert auch unsere grauen Zellen!


Der bisher leichteste Whisky-Vertreter des unabhängigen Abfüllers kommt mit 44,7 % Vol. daher und präsentiert sich erstmals in einer würfelförmigen Flasche mit einem Fassungsvermögen von 200 ml.


Sehr gefällig und charmant kommt er mit Gebäcknoten daher. Ungesüßte Haferkekse und Blätterteiggebäck (hierzulande als Schweineohren bekannt) steigen zuerst in die Nase. Es folgen so süße Aromen wie von Weingummis und in Flaschen gegorenem Sekt.


Dieser Charme setzt sich auch im Mund fort. Er ist unglaublich mild und weich. Eine leichte Trockenheit gepaart mit Caramellsüße geht dann in mit Kandis gesüßtem frischem Pfefferminztee über.

Trotz seines kurzen Abgangs ist der „Kleine“ echt massentauglich! Er ist unkompliziert und „easy to drink“.


Mit diesen Eigenschaften für nicht mal 20 EUR ist der schnell mal in den Einkaufswagen gehüpft. Ich vermute, dass die begrenzte Anzahl von 61 Flaschen daher nicht sehr lange verfügbar sein wird!



Wir steigern uns mit den Prozenten und kehren in die vertrauten Gefilde um die 60 % Vol. zurück, genauer gesagt 60,3 %.


Den „Lowland Orchard“, dessen Übersetzung auch im Untertitel „Ein Spaziergang durch die Fruchtgärten der Lowlands“ verarbeitet ist, stellt das nächste Novum ins Portfolio von Sebastian Büssing. Hier wurde ein Single Malt Whisky aus einer nicht genannten schottischen Lowland Brennerei nach seiner Reifung in Bourbon Fässern noch anschließend in Grappa Fässern sowie Obstbrand Fässern gefinisht!


Und wieder einmal mehr passt der Name 100%ig zu dem, was einem da entgegen schlägt.

Sofort in der Nase präsent, erwarten mich Äpfel, helle, nicht voll reife Trauben, Aprikosen, Maracuja, saftige Kiwis, Mangos und Amarena-Kirschen!!! Was für ein Obstgarten!!! Dieses Finish hat aber sowas von seine Hausaufgaben gemacht! Später gesellen sich noch Karamell, gezuckerte Milch und ein Hauch Marzipan dazu.


Im Mund prickeln die Prozente anfangs und der Speichelfluss setzt ein. Es folgt eine süße Bombe, deren Kraft und Hitze sich im Mund explosionsartig ausbreiten. Ganz ohne Bitterkeit geht der Geschmack dann in Richtung Walnüsse, Espresso Macchiato und Balsamico Essig.


Auch ein erneutes Trinken lässt die Fruchtigkeit nicht abschwächen. Jetzt vernehme ich Konservenmandarinen, Pfirsiche und die Süße von Puderzucker und Vollmilchschokolade.

Es mag suggestive Wahrnehmung sein, aber ich finde beim erneuten Trinken kommt zum späteren Zeitpunkt der Grappa ganz deutlich durch. Für mich ist dieses Finish tatsächlich ein neuer Geheimtipp und findet hoffentlich noch häufiger Beachtung in der großen Welt der Finishes.


Übrigens: Man beachte den versteckten Hinweis zwischen den Zeilen. Dies ist ein Malt für den man sich ausreichend Zeit nehmen sollte, schließlich heißt er nicht „Joggen zwischen den Plantagen“...



Zu guter Letzt hat der Alchemist bei diesem Release auch einen Rye Whisky mit am Start. Den Rye „The Panaceum“. Doch nur mit einem Rye ist es nicht getan. Nach der Reifung im Bourbon Fass verbrachte der Whisky noch 10 Monate im Cognac-Fass.

Dieser Vertreter ist mit seinen 62,2 % Vol. der stärkste in diesem Trio.


Und diese Kraft drückt auch auf Anhieb in der Nase. So wie wir es seit fast einem Jahr leben, ist auch hier der ausreichende Abstand ratsam, denn sonst kribbelt es gewaltig in der Nase.

Der Rye versetzt mir Bilder vom schmerzlich vermissten Jahrmarkt in den Kopf. Dort gibt es immer zahlreiche Stände mit Schokoladenkuvertüre überzogenen Früchten. Hier muss ich an Erdbeeren und Himbeeren im Zartbitterschokoladenmantel denken ...

Dann kommt eine Süße von Vanille, aber so intensiv wie frisch aufgeschnittene Vanilleschoten. Auch leicht verbrannte Cornflakes rieche ich noch, bevor es in eine herbere Richtung abdriftet. Dabei denke ich an Orangenmarmelade und pinke Grapefruits.


Im Mund sorgt die Alkoholstärke erst einmal für ein Gefühl der totalen Trockenheit. Nachdem diese vergangen ist, paaren sich die Orange und die Schokolade zu meiner Kindheitserinnerung an die flüssig gefüllten Schokostäbchen, die entweder nach Orange oder Zitrone schmeckten!


Beim erneuten Verkosten hab ich Assoziationen zu Zuckerrübensirup, wieder die bittersüße Grapefruit und hochwertiges (Back-)Kakaopulver.


Konsultiert man einschlägige Suchmaschinen im Internet, wird einem bei den Recherchen nach „Panaceum“ die Übersetzung als „Allheilmittel“ aus dem polnischen vorgeschlagen.

Auf jeden Fall ist es ein geschmackliches Allheilmittel, das mir die vielen, teils schmerzlich vermissten Erinnerungen auf positive Weise für den Moment zurückbringt.


Einmal mehr kann ich die unabhängigen Abfüllungen von Sebastian Büssing aka „The Spirits Alchemist“ in hohen Tönen loben!!!

Weiter so, ich freue mich auf noch viele spannende Schöpfungen von dir!!!


Weitere Notes:

Coffee, Whisky and more

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