• Stefan

Sagamore Signature Rye - Ein neuer Rye auf dem deutschen Markt


In diesem Beitrag widmen wir uns mal wieder einem Whiskey aus den USA. Um nicht zu sagen, dem, zu früheren Zeiten, populärsten Whiskey der USA. Einem Rye-Whiskey. Ja, richtig gelesen. Rye-Whiskey war zu Vor-Prohibitions-Zeiten, also vor 1919, der beliebteste und meistverkaufte Whiskey der Amerikaner. Das lag vor allem daran, dass in den nördlich gelegenen Bundesstaaten der USA Roggen besser gedeiht. Es gab hier sogar diverse Rye-Stile wie z.B. Pennsylvania Rye oder Maryland/Baltimore Rye. Was wir hier im Glas haben, soll an die alte Tradition und den Stil des Maryland Rye Whiskey anknüpfen. In Maryland gab es vor der Prohibition 44 Destillerien, 13 davon allein in Baltimore. Die meisten überlebten die Prohibition nicht.


Im Jahre 2015 gab es im Zuge des allgemeinen Whiskey-Boom auch endlich wieder Zuwachs in Baltimore. Die Sagamore Distillery wurde hier neu am Standort der Sagamore Farm errichtet. 2016 brachte man den ersten Rye-Whiskey auf den Markt. Natürlich noch nicht den eigenen. Wie man es den Flaschen entnehmen kann, stammt der Spirit aus einer Destillerie in Indiana. Seit 2017 produziert man nun vor Ort den eigenen Whiskey, der im 20.000 Fässer fassenden Lagerhaus mindestens 4 Jahre reifen soll. Also ist mit den ersten eigenen Abfüllungen ist wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres zu rechnen.


Wie kommen wir nun zu diesem, den meisten erstmal unbekannten, Whiskey? Ganz einfach, durch die sehr große und gut vernetzte Whisky-Community in Deutschland. So haben wir von Dramtastics von Whisky-Jason, einigen ist er wahrscheinlich durch seinen Youtube-Kanal bekannt, ein nettes Überraschungspaket mit u.a. diesem Rye-Whiskey bekommen. Und da wir ja immer auf der Suche nach neuen Drams sind, schreiben wir natürlich darüber. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Jason!


Whisky-Jason, alias Jason Stover, bringt ab diesem November mit seinem britischen Partner

N10 Bourbons den Sagamore Rye Whisky auf den deutschen Markt. Zum Marktstart soll es drei Standard-Abfüllungen geben: den Sagamore Double Oak Rye, den Sagamore Cask Strength Rye und den Sagamore Signature Rye, den wir hier in der Verkostung haben.


Genug der Worte, jetzt kommen wir endlich zum Inhalt. Bzw. erwähne ich erstmal die sehr schöne sechseckige Flasche, in welche der Whiskey abgefüllt ist. Stylisch ist diese Flasche schon mal und liegt auch sehr gut in der Hand. Unter dem Flaschenhals ist das Jahr 1909 eingelassen. Dies ist das Baujahr des Brunnenhauses der genannten Sagamore Farm.

Im Glas sieht der Rye sehr schön aus. Die Farbe würde ich als bernsteinfarben bezeichnen und der Whiskey zieht lange Schlieren an der Glaswand.


Nase: Erster Eindruck – typisch Rye. Frucht und Würze im Überfluss. Dann nach längerem Riechen, lassen sich die Bestandteile erfassen. Eine leichte Toastbrot-Note oder auch Brauhaus-Note liegt über diesem Dram. In der Fruchtmischung finden sich u.a. Ananas sowie Orange und Zitrusfrüchte. Eine ordentliche Alkohol-Note ist aber auch dabei. Später kommt eine leichte Minz-Note hinzu. Auch etwas Kräftiges, was ich vielleicht als Lederduft bezeichnen möchte, liegt über allem. Zum Ende erinnert er mich auch ein wenig an geröstete Erdnüsse. In der Nase auf jeden Fall ein reichhaltiger, kräftiger Tropfen.


Geschmack: Am Gaumen kommt beim ersten Schluck schon Pfeffer. Und noch mehr Pfeffer. Dann rauh der Alkohol. Erst langsam muss sich der Mund an diesen rauen Dram gewöhnen. Aber dann zeigt er auch seine leiblichen Seiten. Viel Süße mit Kirschgeschmack und etwas Vanille kommen durch. Auch wieder diese kleine Minz-Note, die wir schon in der Nase hatten. Buttrig und ölig liegt er am Gaumen und erinnert ein wenig an Sonnenöl und minimal wieder an die Erdnüsse.


Abgang: Das Finish ist wieder pfeffrig und lang. Herbe Noten runden das Ganze ab.


Fazit: Nun, der Sagamore Signature Rye ist ein kräftiger Bursche. Für Rye-Neulinge könnte er etwas (über-)fordernd sein. Im Großen und Ganzen aber ein guter und schön trinkbarer Whiskey. Auf jeden Fall sollte man ihn mal probieren. Und das Rye-Whiskey-Angebot in Deutschland bekommt einen weiteren interessanten Tropfen dazu.