• Steven

Neues vom unabhängigen Abfüller “82 Chapters to Newcastle”


Wer unseren Blog aufmerksam verfolgt, hat vielleicht schon erkannt, dass wir uns des Öfteren mit unabhängigen Abfüllern (UAs) beschäftigen. Also Leuten, die nicht unbedingt eigenen Whisky herstellen, sondern einzelne Fässer von Destillerien erwerben, die sie später unter ihrem eigenen Namen abfüllen.

Meist darf bei diesen Abfüllungen auch der Name der ursprünglichen Destillerie auf dem Label erwähnt werden.

In den letzten Jahren konnte man zusehen, wie diese Independent Bottlers förmlich aus dem Boden schossen. Immer mehr Anbieter treten auf und bringen ihre Werke auf den Markt.

Eben drum finden wir dieses Thema so unglaublich spannend und Horizont erweiternd, denn die UAs haben nicht den Druck der Großbrennereien, dass die Qualität der verschiedenen Chargen und Batches nahezu identisch sein sollte. Die häufigen Einzelfass-Abfüllungen verschaffen den UAs hiermit größeren Spielraum.


Doch auch hier gibt es über die Jahrzehnte etablierte Big Player. Diesen soll diesmal allerdings nicht unser Augenmerk gelten. Wir fokussieren uns auf einen der kleineren Künstler. Er hat das Rezept, wie man trotz zunehmender Mitbewerberzahl aus der Menge heraussticht. Indem man keinen Allerweltwhisky kreiert oder mit seinen Worten keinen Mainstream. Einzigartigkeit ist das Geheimnis – unique sein. Oder noch besser... unicornique!

Dies lebt man hier bei 82 Chapter to Newcastle zum Beispiel dadurch, dass man trotz aller Kosten und Mühen die gesamten Fässer statt der fertig abgefüllten Flaschen importiert. Auch mit historisch und klimatisch besonderen Lagerorten sticht man aus der Masse heraus. Und hinzu kommt noch, dass für die CO2 Bilanz was getan wird, denn für jede verkaufte Flasche wird ein Baum gepflanzt.

Wir haben uns dieses Mal die Chapters 5 und 6.1 auf die Agenda geschrieben.



Tasting Notes 82 Chapters to Newcastle – Fettercairn 8 yo. Spätburgunder Finish


Beim ersten Chapter handelt es sich um einen 8 Jahre alten Fettercairn mit einem Finish im 1st Fill Spätburgunder (Pinot Noir) Fass vom und im Staatlichen Hofkeller in Würzburg (ältestes Weingut Deutschlands und UNESCO Weltkulturerbe) gereift.

Gleich die erste Nase startet sehr angenehm mit kräutrigen Noten und Assoziationen an Haferkekse, die sich dann weiter auf der süßen Schiene Richtung Rumrosinen, Bratapfel und Fudge entwickeln.

In den acht, fast neun Jahren hat dieser Malt einen bereits recht komplexen Körper gebildet.

Im Mund präsentiert sich die Süße etwas dezenter und der Fettercairn umspielt den Gaumen sehr weich und geschmeidig. Nach Haselnüssen und etwas Eiche klingt er dann ohne jegliche Bitterkeit in einer trockenen Süße aus.

Beim erneuten Riechen löst er in mir fast das Gefühl aus hier einen hochwertigen Cognac im Glas zu haben. Auch wird die Alkoholstärke gefälliger und das leichte Kribbeln vom ersten Riechen ist verschwunden. Der süße Geruch erinnert jetzt mehr an gezuckerten Cappuccino und Creme brulée.

Es kommen beim zweiten Verkosten mehr rosige, florale Noten durch und der Alkoholgehalt zeigt sich nochmal mit leichtem Prickeln.

Dieser Fettercairn namens „The Pinot Noir in the Car of the Commissar“ ist ein echtes Two Face ... einerseits gefährlich süffig und unglaublich gefällig, andererseits mit einer so schönen Komplexität, dass man sich mit diesem anspruchsvollen Dram viel länger beschäftigen möchte! Mir gefällt er sehr gut!


Tasting Notes 82 Chapters to Newcastle – Glenshiel 9 yo. "The Tuba is on fire"


Das nächste Chapter ist an Innovation und Freakiness kaum zu übertreffen.

Der Name „The Tuba is on Fire“ gibt schon einen ersten Hinweis darauf, was hier angestellt wurde. Es handelt sich um einen 9 Jahre alten Glenshiel (teaspooned Single Malt einer nicht genannten Destille) mit Finish im 1st Fill Marsala Fass. Die Hauptreifung verlief (noch in Schottland) im Bourbon Barrel.

Doch nun kommt‘s: Bernhard, einer der drei Köpfe von 82NC, ist begeisterter Tubist und daher zurecht in Aktion auf dem Label der Flasche zu sehen. Seine selbst gespielte Tuba-Musik wurde aufgenommen und der Whisky fortan für knapp 10 Monate rund um die Uhr mittels zweier am Fass angebrachter Boxen damit beschallt. Natürlich war das Lied kein geringeres als „Whiskey in the jar“!

Der karamellfarbene Malt kommt bereits in der Nase mit einem schweren, dunklen und tief wirkenden Körper daher. Gepaart ist das Ganze mit einer weinartigen kräftigen Süße, von Honig und Karamell bis zu Zuckerwatte, Brombeeren und Datteln.

Diese Süße setzt sich auch beim Trinken fort. Schokolade und Milchkaffee machen den Anfang und driften dann in leichten Eichennoten und Sandelholz ab, um abschließend mit dem Aroma von Kirschblütentee auszuklingen.

Diese Kirschnote kommt beim erneuten Riechen auch verstärkt zum Vorschein. Ebenso ist die Süße unverkennbar in Form von Vollmilchschokolade präsent.

Das Marsala Finish ist hier ganz offensichtlich 24/7 am Start. Süße wo man hin riecht und schmeckt. Auch dieser Malt ist mit seinen neun Jahren so komplex, dass er zum Verweilen einlädt.

Und das am besten mit der passenden musikalischen Begleitung ;-)

In diesem Sinne ...

Musha rain dum a doo, dum a da Whack for my daddy, oh Whack for my daddy, oh There's whiskey in the jar, oh