• Steven

Hellinger 42 (Dresdner Whisky Manufaktur) 46%


Wir schreiben Valentinstag 2021. Ein Tag, zu dem der Hashtag der Vloggerkollegen Malt Mariners nicht besser passen könnte: #whiskyundliebe


Und warum harmonieren diesmal Whisky und Liebe so gut? Na, weil genau am diesjährigen Valentinstag der erste Malt der Dresdner Whisky Manufaktur im hauseigenen Onlinehandel verfügbar ist. Seit Mitternacht können neugierige Whiskyfreunde den Hellinger 42 sowie vier weitere Whiskys kaufen (eine rauchige Version, einen Single Cask mit Vogtländischem Wasser aus Siehdichfür sowie zwei Single Casks mit Finishes in Sherry- bzw. Portfässern). Also flüssige Liebe in Form von einer Hand voll verschiedener #Hellinger 42!


Doch fangen wir von vorn an. In der sächsischen Landeshauptstadt laufen aktuell die Baumaßnahmen für die größte Whiskymanufaktur Deutschlands. Bereits im Mai sollen das Besucherzentrum und der Shop eröffnen, im Dezember soll dann die Brennerei an den Start gehen. Ab dann sollen mindestens 3.000 Fässer jährlich befüllt werden und 1 Mio. Flaschen die Brennerei im Dresdner Alberthafen verlassen!


Aufmerksamen Lesern kommt nun die Frage in den Kopf, wie man heute bereits fünf verschiedene Whiskys verkaufen kann, wenn man doch erst im kommenden Winter mit der Produktion beginnt? Die ersten originalen Dresdner Abfüllungen können tatsächlich erst frühestens Ende 2024 auf den Markt kommen. Für den jetzt verkauften Whisky wurde ein schottischer Brand aus der Region Spey verwendet, der bereits drei bis vier Jahre in den jeweiligen Fässern in Dresden lagerte.


Und wer kam jetzt eigentlich auf diese „Schnapsidee“? Verantwortlich dafür zeichnen sich die beiden über mehr als 30 Jahre befreundeten Whisky-Liebhaber Thomas Michalski und Frank Leichsenring. Die Mutter von Herrn Leichsenring hieß übrigens mit Mädchennamen Hellinger, womit also auch die Namensgebung erklärt wäre.


Wenn so ein großes Unterfangen im benachbarten Bundesland und nur knapp zwei Stunden Autofahrt entfernt entsteht, ist man als Whisky-Liebhaber natürlich besonders neugierig. Wir haben uns mit der Manufaktur in Verbindung gesetzt und möchten uns an dieser Stelle auch nochmal für die zur Verfügung gestellte Flasche Hellinger 42 bedanken! Dies hat allerdings nicht im Geringsten Einfluss auf unsere Verkostungsnotizen.


Bereits durch die Flasche strahlt er goldfarben heraus. Die Bourbonfass-Reifung hat einen schönen strohgelben Ton zu Tage gebracht.


Beim ersten Riechen kühlen die 46% leicht in der Nase und gehen dann in einen richtigen Obstsalat über. Angefangen bei knackigen grünen Äpfeln, über typische Birnengerüche (dank der entsprechenden Reifung) bis hin zu eingelegten Pfirsichen, später sogar Bananen. Die Spritzigkeit der Jugend lässt leichte Weißweinnoten assoziieren. Ganz geringfügig kommt eine leicht herbe Erinnerung an frisch aufgeschnittene grüne Paprika. Doch dann tauchen wieder süße Frachten von Fruchtgummis und Vanillezucker auf.


Der erste Schluck ist wider Erwarten erstaunlich geschmeidig und samtig im Mundraum. Ganz mild und süß startet er, bevor er dann eine leichte Pfeffrigkeit ohne jegliche Bitterkeit zeigt. Kräftigere Noten von Eiche und mildem Tabak lassen ihn dann ausklingen. Die Komplexität überrascht mich wirklich positiv, hätte ich für das Alter doch mit weniger Facetten gerechnet.


Beim erneuten Riechen gewinnen dann die Früchte vollends die Oberhand. Die Süße hat nochmal eine Schippe drauf gelegt und entwickelt sich in Richtung Mango und Honigmelone, ja sogar überreife helle Weintrauben. Puderzucker rundet das ganze ab und zum Schluss habe ich hier sogar noch Anklänge von Latte Macchiato mit Sojamilch.


Der erneute Schluck ist sogar noch charmanter, kommen mir die 46% doch um einiges weicher, ja fast wie die Mindest-Trinkstärke vor. Die etwas schokoladene Süße, gepaart mit den fruchtigen Komponenten, lässt kurz an Edle Tropfen erinnern.


Einziger Wermutstropfen: der Abgang ist leider kürzer als gewünscht.


Alles in allem weist der Hellinger 42 keine Fehlnoten oder geschmackliche Ausreißer auf. Er ist harmonisch ausbalanciert ohne dabei langweilig zu werden. Mit seiner süffigen und gefälligen Art ist er gut geeignet für Einsteiger und als Starter für Tastings.