Daftmill Winter Batch Release 2008 / 2020

Mit Daftmill ist, seit dem ersten Release 2018, wieder einmal ein sehr gehypter Whisky, diesmal aus den Lowlands, auf den Markt gekommen. Die Brennerei liegt relativ weit im Osten der Lowlands an der A91. Warum dieser Hype entstanden ist, liegt wahrscheinlich an der Knappheit des herausgebrachten Whiskys.

Die Daftmill Distillery ist eine typische Farm-Destillerie, wie sie früher üblich war. Gebrannt wird hier ausschließlich in den Monaten Juni bis August sowie von November bis Februar. In den anderen Monaten muss auf der Farm gearbeitet werden. Nun müsste man meinen, dass dies eine althergebrachte Tradition ist, die man einfach beibehalten hat. Aber da liegt man falsch. In Daftmill floss der erste Newmake erst 2005 aus den Stills. Die Farmerfamilie Cuthbert ist der Besitzer und baute 2003, nachdem man viel Jahre erst als Pächter und seit 1984 als Eigentümer das Land bewirtschaftete, einige Gebäude zur Destillerie um. Die Familie bleibt aber weiterhin hauptberuflich Farmer und daher kümmert man sich nur in genannten Monaten um das Destillieren und Abfüllen von Whiskys. Typisch, wie es sich für eine Farm-Destillerie gehört, kommt die Gerste für die Whiskys aus eigenem Anbau. Bis auf das Mälzen macht man alles in Eigenregie bei Daftmill. Destilliert wird zweifach in einer Wash Still sowie einer Spirit Still. Das Wasser hierzu liefert eine eigene Quelle und zum Kühlen nimmt man Wasser vom angrenzenden Bach.


Es entsteht hier ganz ohne große Werbung und viel Wirbel ein eigenständiger Terroir-Whisky. Viel Wert wird auf Ruhe und einen ausgereiften Whisky gelegt. Und so verwundert es nicht, dass trotz des ersten New Makes von 2005, erst 2018 der erste Daftmill Whisky auf dem Markt erschien. Kein Pre-Release oder Abfüllung eines jungen Malts, nein, das alte Credo gilt – Whisky benötigt seine Zeit. Und so erlebte man hier eine Eigendynamik, die sich in einen regelrechten Hype steigerte, da viele die Destillerie schon auf dem Schirm hatten, wartete man gespannt auf den ersten Whisky. Die ersten Abfüllungen waren streng limitiert. Beispielsweise die „Inaugural Release“ von 2018, quasi die Erstausgabe, ergab nur 629 Flaschen. Mit dem nächsten Batch konnte man dann schon 1665 Flaschen abfüllen. Und so füllt man jedes Jahr einen „Summer Batch“ sowie einen „Winter Batch“ ab, ganz nach oben genannten Destillier-Zeiten. Und so ist es, wie es nun mal mit gefragten Whisky ist, sobald die Flaschen auf dem Markt erscheinen, sind sie innerhalb weniger Tage ausverkauft.


Wir konnten uns ein Sample des „Winter Batch“ von 2008 ergattern und wollten herausfinden, ob der Hype gerechtfertigt ist.


Abgefüllt wurde das „Winter Batch“ 2008 im Jahre 2020 und ist somit 12 Jahre alt. Limitiert ist diese Abfüllung auf 6.000 Flaschen. Dafür wurde ausschließlich in First-Fill Ex-Bourbon-Fässern gereifter Whisky benötigt. Was mir persönlich schon sehr viel Lust auf diesen Whisky gemacht hat, da meiner Meinung diese Kategorie völlig unterschätzt wird. Farblich haben wir hier ein sattes Gold im Glas.


Nase: Malz kommt einem als erstes in die Nase. Gefolgt von einer Fruchtauswahl mit Birne und Pfirsich. Etwas Bienenwachs kommt auch zur Nase durch. Zum Ausklang haben wir etwas blumiges, vielleicht Rose, und eine leichte Ingwerschärfe. Im Geruch ist der Dram sehr reichhaltig und macht Appetit.


Geschmack: Der erste Schluck benötigt einen Moment. Bier und geröstetes Getreide stehen dann zuerst am Gaumen. In der Folge schmeckt man dann Vanille, Pfirsich und etwas Bienenwachs. Dieser Whisky ist sehr ausbalanciert. Hier ist nichts dem Zufall überlassen und alles passt geschmacklich zusammen. Am Ende kommt ganz dezent noch etwas Orangenschale hervor.


Abgang: Im Abgang ist der Dram schön lang. Hier wird jedoch aus dem Fruchtbecher ein scharfer Burritto. Regelrechte Chilli-Schärfe, natürlich nicht überlagernd, hat man nun im Abgang, die sich schön mit etwas herber Note der Eiche zusammentut und einem lang in Erinnerung bleibt.


Fazit: Der Daftmill ist ein sehr guter Whisky. In einer Blindverkostung würde man nicht wirklich auf einen Lowland-Still, sofern es denn den überhaupt noch richtig gibt, tippen. Ein schöner angenehmer Begleiter am Abend kann der Daftmill sein. Ob der Hype sich lohnt? Diese Frage muss wohl jeder für sich beantworten. Für Sammler sicherlich. Für Genießer findet sich zu einem günstigeren Preis wahrscheinlich ein vergleichbar guter Whisky.